Unsere Geschichte

200 Jahre Musikgesellschaft Thusis – In Freud’ und Leid zum Spiel bereit

Die Musikgesellschaft Thusis feiert im Jahr 2023 ihr 200-jähriges Bestehen. Nach der Musica da Domat und der Kadettenmusik der Bündner Kantonsschule ist die Musikgesellschaft Thu-sis der drittälteste Musikverein im Kanton Graubünden – wahrlich ein Grund zum Feiern!
Im Jahr 1823 gründeten einige Musikanten die Musikgesellschaft Thusis. «Die Acht Aufrechten» konnten sich dank grosszügiger Unterstützung der Thusner Bevölkerung Instrumente im Wert von 300 Gulden anschaffen, was einem heutigen Gegenwert von gut 8'000 Franken entspricht. Schon in den ersten Vereinsjahren gab es längere Unterbrüche: Mit dem grossen Dorfbrand im Jahr 1845 schien die Geschichte der Musikgesellschaft Thusis bereits beendet. Als man sich davon jedoch erholt hatte, ging es aufwärts. Im Jahr 1889 setzte man schliess-lich die ersten Statuten auf und verpflichtete 14 Musikanten. Das Üben wurde trotzdem nicht immer gleich ernst genommen. So berichtete der ehemalige Dirigent, Herr J.A. Passett: «Man übte oder gab Platzkonzerte, wenn man bei guter Laune war.»
Auch die jüngere Vereinsgeschichte ist mit Höhen und Tiefen verbunden. Mit fünf Musikantin-nen und Musikanten startete die Musikgesellschaft Thusis ins Musikjahr 2017/18. Das Ziel war es, die Auftritte am Silvestergottesdienst und weissen Sonntag zu bestreiten. Es wurden im Laufe des Musikjahrs weitere Mitspielerinnen und Mitspieler in der Verwandtschaft und dem Umfeld der Musizierenden gefunden. Zudem konnte die Musikgesellschaft Thusis auf die Unterstützung eines Teils der Tagstein Musikanten zählen. Der Durchhaltewillen zahlte sich aus: Nach einem Jahreskonzert im Frühling 2019 und weiteren Auftritten stoppte erst die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 den Elan der Musikgesellschaft Thusis vorübergehend. Mit zwei Online-Projekten und Auftritten über die Sommermonate gelang es jedoch, die Mitglieder bei Laune zu halten.
Traditionen pflegen

Seit jeher gehören Auftritte an Dorfanlässen in Thusis zum festen Bestandteil: Dazu gehörten und gehören die Mitwirkung am Palmsonntag und am weissen Sonntag, das Gartenfest im Juli, die 1.-August-Feier oder die Teilnahme am Silvestergottesdienst. Besonders kirchliche Anlässe haben sich im Jahresprogramm gehalten und werden auch heute noch gepflegt. Die Teilnahme am ökumenischen Gottesdienst am Silvesterabend, welcher seit einigen Jahren abwechslungsweise in der katholischen und der reformierten Kirche stattfindet, musste in der jüngsten Vergangenheit aufgrund der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 zwar abgesagt werden. Umso schöner war es, dass am 30. Dezember 2022 wieder ein Gottes-dienst mit Begleitung durch die Musikgesellschaft Thusis stattfinden konnte.
Auch die Landsgemeinde spielte im Vereinsleben der Musikgesellschaft Thusis eine wichtige Rolle. So ist im Schreiben des Kreisamt Thusis vom 21. April 1989 zu lesen: «Sie werden hiermit freundlich eingeladen, an der Landsgemeinde vom 7. Mai 1989 wie üblich mitzuwirken.» Ein Widerspruch zu einer solchen Aufforderung erscheint fast schon zwecklos. Aller-dings wurde die Mitwirkung an der Landsgemeinde mit einem Beitrag an die Vereinskasse honoriert. Immer wieder wurden und werden auch Ständchen in Thusis und den umliegenden Orten wie Sils i.D., Masein, Flerden, Urmein, Tschappina oder sogar in Savognin, Splügen, Mesocco und weiteren Gemeinden gegeben.

Musikfeste – eine Konstante zieht sich bis heute hin
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen: Bereits in den vergangenen Jahren waren Musik-feste ein Fixpunkt im Vereinsjahr. In jüngster Zeit wurde diese Tradition wieder belebt. Im Jahr 2019 wagte die Musikgesellschaft Thusis die Teilnahme am Kantonalen Musikfest in Arosa. In der freien Kategorie bekamen die Musikantinnen und Musikanten einen schriftlichen Bericht mit sehr positiven Rückmeldungen. Als eine Art Kompensation für das abgesagte Eidgenössische Musikfest nahm die Musikgesellschaft Thusis im Juni 2022 am Appenzeller Kantonalmusikfest in Heiden teil. Die positiven Rückmeldungen der Experten zeigten auch da, dass sich die Musikgesellschaft Thusis auf dem richtigen Weg befindet.

Unvergessliche Vereinsreisen – eine Thusner Spezialität
«Wenn einer eine Reise macht, so kann er etwas erzählen und wenn er Berichterstatter ist, so ist er dazu quasi verpflichtet.» Dieser Satz von Anton Koch findet sich im Reisebericht der Musikgesellschaft Thusis vom 21. und 22. August 1932. Nicht alle Vereinsreisen liefen jedoch glimpflich ab: Einen Schreckmoment erlebte die Musikgesellschaft bei ihrer Musikreise ins Wallis am 13. Juni 1970. Im Jahresbericht des Präsidenten schrieb Christian Attenhofer: «Die schöne Fahrt wurde aber jäh unterbrochen, als auf einmal die Notbremse einsetzte. Instrumente und Reisetaschen flogen kreuz und quer durcheinander. Dann ein dumpfer Knall und im selben Augenblicke bohrte sich der obere Teil der Lokomotive in unsern Wagen (...).» Bei einem Zusammenstoss zweier Züge am Furka-Pass wurden 14 Musikanten verletzt, 3 davon mussten sogar ins Spital nach Brig gebracht und dort behandelt werden. Als Folge dieses Unfalls musste eine Neuinstrumentierung durchgeführt werden, da alle Instrumente schwer beschädigt oder ganz zerstört wurden.
Auch die Musikreise ins Elsass im Frühjahr 1981 bot einige Anekdoten, wie dem Jahresbericht des Präsidenten Werner Jetzer zu entnehmen ist. Nachdem der Reisebus in Strassburg verbotenerweise in einem Halteverbot die Musikantinnen und Musikanten einsteigen liess, wollten übereifrig Polizeibeamte dem Busfahrer eine Busse von umgerechnet 600 Franken aufbrummen. Dieser jedoch reagierte in einer Kurzschlusshandlung und fuhr den Polizisten davon, wovon einer sogar noch in den Bus sprang, damit er nicht überfahren wurde. «(...) Wie im Amock fuhren wir durch die Stadt Richtung deutsche Grenze. Aber nicht weit, da war unser Bus auch schon von motorisierten Polizisten flankiert wie bei Staatsempfängen.» Nach einer Einvernahme auf dem Polizeiposten und der Hinterlegung einer Kaution ging die Reise jedoch weiter in den Schwarzwald und schliesslich gelangte die Musikgesellschaft wieder heil nach Thusis zurück.
Bereits im Bericht zur GV im Herbst 1991 stand im Pöschtli: «Nach wie vor wären wir aber froh, noch mehr Mitglieder bei uns aufnehmen zu dürfen.» Was in der Vergangenheit gegolten hat, ist auch heute noch aktuell. Nichtsdestotrotz sei den aktuell 12 Musikantinnen und Musikanten unter der Leitung von Gian-Reto Trepp und Madlaina Trepp ein Kränzchen für ihr Engagement gewunden. Klein, aber oho – nichts beschreibt den heutigen Zustand der Musikgesellschaft Thusis besser.

Chur, Mai 2023
Gian-Reto Trepp

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